Posterous theme by Cory Watilo

Tanja Neumann

Tanja Neumann

Die mobile Datennutzung steigt rapide, immer mehr Deutsche nutzen Smartphones. Der Löwenanteil entfällt auf die Nutzung sozialer Netzwerke wie Facebook oder Microblogging-Tools wie Twitter. Was dabei entsteht, ist ein Augemented Social Space, ein Raum, der nach wie vor physikalisch ist, aber auch durch das (Social) Web ergänzt und überlagert wird.
Museen, die ihr Publikum erreichen wollen, müssen sich in diesem veränderten Raum verorten. Mit der Frage, wie das aussieht oder aussehen könnte, beschäftigt sich nicht nur meine gerade entstehende Dissertation, sondern auch dieses Blog. Da der Weg noch weit ist, muss auch Raum zum Träumen sein...

Wunderkit - ein Testbericht

Heute Mittag habe ich im Posteingang meinen Beta-Invite für Wunderkit vorgefunden. Perfektes Timing: Da der Sonntag aktuell mein einziger freier Tag ist, musste ich die Gelegenheit zum Testen doch gleich nutzen!

Wunderkit soll der neue Stern am Himmel der Projektmanagement-Tools werden, da sind die Erwartungen natürlich hoch. Die Beta-Phase hat am 17. Januar begonnen. Der erste Eindruck war leider nicht ausschließlich positiv: Die Beta-Phase verläuft noch nicht annähernd reibungslos, Wunderkit ist noch sehr langsam und hängt sich permanent auf (realistisch: einmal pro Minute) und führt in sehr regelmäßigen Abständen sogar zu Firefox-Crashes. Positiv erwähnen muss ich das wirklich schön gemachte Video-Tutorial, das unterhaltsam und kompakt die Funktionen des Tools erklärt.

Grundlegend hat jeder Nutzer die Möglichkeit, innerhalb seines Profils für verschiedene Projekte je einen eigenen Workspace zu erstellen. Dieser kann komplett privat bleiben, öffentlich sichtbar sein oder nur mit ausgewählten "Mitgliedern" geteilt werden, die man gezielt einlädt. Es gibt auch die Möglichkeit, die Privatsphäre-Einstellungen für jedes Posting anzupassen.

Innerhalb jedes Workspaces gibt es drei Einheiten: Dashboard, Tasks und Notes. Das Dashboard erinnert an ähnliche Dienste (HootSuite etc.) und zeigt eine Übersicht aller Aktivitäten. Tasks und Notes sind genau, wonach sie klingen. Interessant ist, dass alle Mitglieder eines Workspaces hier kommentieren und verändern können, es ist auch möglich, die Aufgaben direkt einem oder mehreren Mitgliedern zuzuweisen. Die Anmeldung erfolgt über Twitter- oder Facebook-Accounts, es besteht aber auch die Möglichkeit, einen neuen Account zu erstellen.

Wunderkit
Sollte Wunderkit in naher Zukunft zuverlässig laufen und mit kostenlosem Basic-Account seine Funktionalität behalten (aktuell wird jeder Nutzer automatisch für 90 Tage zum Pro-User, es gibt noch keine Stellungnahme der 6Wunderkinder bezüglich der Abgrenzung von kostenpflichtigen und kostenlosen Accounts), könnte das Tool durchaus für den Kulturbereich interessant werden.Es soll bald die Möglichkeit zum Upload von Dateien geben, auch Apps für die gängigen Smartphones und Tablets sind in Planung.

In Museen und anderen Kultureinrichtungen scheitert die Nutzung von Projektmanagement-Software ja oft an Lizenzgebühren oder der Notwendigkeit, die Software zu installieren. Diese Hürden könnten hier umgangen werden. Wunderkit könnte eine schöne Möglichkeit sein, Ausstellungen im Team zu planen, Veranstaltungen zu organisieren, es könnte aber auch die Gestaltung interner Blogs oder Wikis, die oft als zu kompliziert empfunden wird, überflüssig machen. Selbstredend ist das heute noch reine Zukunftsmusik, da abzuwarten bleibt, wie die Plattform sich entwickelt.

So war 2012

Bevor jetzt jemand glaubt, ich hätte mich noch nicht von den Nachwirkungen der gestrigen Party erholt - ja, die Jahreszahl ist mein voller Ernst. Das Ausschlafen übernimmt heute meine kleine Assistentin für mich:

Neujahr
Die Idee, schon jetzt (okay, eigentlich bis gestern, aber ich hoffe, mir wird verziehen werden) zu schreiben, stammt von Christoph Deeg, der auf seinem Blog zu dieser Blogparade aufgerufen hat.

2012 war, was den Einsatz von Social Media bei den deutschen Kultureinrichtungen angeht, ein Meilenstein. Nicht nur sind zum 31.12.2012 sage und schreibe 99,8% der deutschen Museen, Bibliotheken und Orchester mit mindestens einem Social Media-Profil ausgestattet (von denen immerhin 80% auch regelmäßig aktualisiert werden). Die entscheidendste Veränderung in meinen Augen ist die im Selbstverständnis der Institutionen.

Was Bibliotheken und Orchester angeht, überlasse ich den Bericht den Spezialisten. Bei den deutschen Museen konnte ich folgende Veränderungen beobachten:

1. Immerhin 55% aller neuen Sonderausstellungen waren mit partizipativen Elementen versehen, und damit meine ich nicht nur eine Feedback-Box am Ausgang, deren Inhalt vielleicht nie gelesen wird. Schöne Beispiele waren für mich vor allem zwei Ausstellungen: Eine zum Thema Comics, bei der man vor dem Betreten der Ausstellungsräume ein kleines Quiz absolvieren musste. Nach der Auswertung bekam man mitgeteilt, mit welchem Helden/Schurken man die größte Ähnlichkeit hatte. Als dieser wurde man dann mittels des entsprechenden Accessoires (Cape, Hut o.ä.) markiert. Beim Besuch der Ausstellung konnte man gar nicht anders, als in die Rolle zu schlüpfen... Die zweite verlangte vor dem Betreten eine Entscheidung auf die Frage: Wird die EU Bestand haben? Je nach Antwort bekam man eine rote oder grüne Chipkarte. Während Teile der Ausstellung ganz klassisch angelegt waren (Vitrinen mit Objekten zum Thema und Texten, die Hintergrundinformationen vermittelten), funktionierten die Multimedia-Stationen nur mithilfe der Chipkarte. Hier sahen "Ja-Sager" und "Nein-Sager" unterschiedliche Filme: Ausblicke, wie die Zukunft aussehen könnte, falls sie Recht behielten, kombiniert mit Argumenten, die gegen die Antwort sprachen, die sie beim Eintritt gegeben hatten. Am Ende der Ausstellung wurde natürlich erneut gefragt - und das Ergebnis wurde sofort in die Statistik eingespeist, die man hier sehen konnte: Prozentangaben für die Jas und Neins vor und nach dem Besuch der Ausstellung, sowie einen Wert, der die Zahl der Meinungsänderungen durch den Besuch dokumentierte.

(Wer sich hier an Nina Simons "The Participatory Museum" erinnert fühlt, liegt richtig!)

2. Das Bewusstsein der deutschen Museen für ihre Zielgruppen wurde geschärft. Die Ansprache erfolgte 2012 sehr viel gezielter über die verschiedenen Kanäle. Ein wunderbares Beispiel ist die gemeinsame App der deutschen und österreichischen Museen (kostenlos für iPhone, Blackberry und Android-Geräte erhältlich). Jeder Nutzer kann hier sein eigenes Profil erstellen und angeben, welcher Typ Museum bzw. Veranstaltung ihn interessiert. Sobald er sich in der räumlichen Nähe aufhält bzw. es Neuigkeiten zu berichten gibt, wird er per Push-Mitteilung darüber informiert.

3. Die Strukturen innerhalb der Organisationen haben sich verändert. Interne Blogs und Wikis sind bei 60% der Museen anzutreffen und werden in der Mehrheit gern genutzt. Ideen können so schneller innerhalb des Teams kommuniziert und ausgearbeitet werden, es besteht aber natürlich auch die Möglichkeit, Berichte/Fragen über die sozialen Netzwerke zu verbreiten und sich Hilfe und Anregungen von außen zu holen.

2012 war also ein ereignisreiches und in vieler Hinsicht sehr positives Jahr. Selbstredend ist der Weg immer noch weit, und auch im nächsten Jahr wird sich sicher niemand langweilen müssen.

Wie es mir ergangen ist? Meine Dissertation ist so gut wie fertig, mein Honorar hat sich fast verdoppelt und auch die Integration freier Mitarbeiter in die Struktur meines Lieblingsmuseums hat sich stark verbessert. So stark sogar, dass mein Hund mich jetzt jeden Tag zur Arbeit begleiten darf. In diesem Sinne: Ein frohes neues Jahr!!!

 

 

Last but not least: Drei weitere Standorte des Joanneums

Zuerst muss ich mich für die Verzögerung dieses dritten und letzten Teils der Reihe um das 200jährige Jubiläum des Joanneums entschuldigen. Zwischen Posterous-Hängern, Firefox-Crashes, Weihnachtsfeiern und sonstigem Dezember-Stress war es gar nicht so einfach... Aber weiter im Programm:

Auch am Sonntag wurde noch die Eröffnung des Joanneumsviertels gefeiert - der Eintritt in alle Häuser des Joanneums war frei, doch für das Joanneumsviertel brauchte man Zeitkarten. Da ich alle Jubiläumsausstellungen dort samstags schon gesehen hatte, wollte ich die verbleibenden Stunden vor dem Rückflug nutzen, um mir noch ein bisschen mehr anzuschauen.

Meine erste Station war das Kunsthaus, der "Friendly Alien". Das Gebäude ist ein schönes Beispiel für den Trend der letzten Jahre, Museen für Moderne Kunst in einem signature building neu zu eröffnen. Das Kunsthaus hat auch eine eigene (kostenlose) App für iPhones und Android-Handys. Witziges Feature: der Audioguide in zwei Versionen - für Erwachsene und für Kinder.

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Zu sehen waren drei Ausstellungen; los ging's im ersten Stock mit Ai Weiwei. Interlacing. Ausgestellt wurden Fotos und Videos des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, der spätestens seit diesem Jahr jedem ein Begriff sein dürfte. Der Fokus der Ausstellung liegt auf der Mulitmedialität des Werks.

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Im angrenzenden Raum war eine Ausstellung der Camera Austria zu sehen. Dieser Verein stellt seit 2003 im Kunsthaus aus und verlegt darüber hinaus eine deutschsprachige Fachzeitschrift zur Fotografie. Noch bis zum 1.1.2012 ist Communitas. Unter anderen zu sehen, eine Ausstellung, die durch kraftvolle Bilder besticht.

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Im zweiten Stock war Antje Majewski: Die Gimel-Welt aufgebaut. Hier bot sich ein gänzlich unerwarteter Anblick: Hölzerne Trennwände teilen den Raum in runde und ovale Kojen, in denen jeweils einzelne Werke Majewskis zu betrachten sind. Wenn man noch ein Stockwerk weiter nach oben geht, in die "Needle", bietet sich ein Blick von oben auf die Ausstellung, der ihre originelle Architektur erst richtig zur Geltung bringt.

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Das Museum im Palais wartete mit zwei Ausstellungen zum Jubiläum auf. Zuerst kam auf meinem Rundgang die Sonderausstellung "Die Zeit. Vom Augenblick zur Ewigkeit" an die Reihe. Zu sehen waren durchaus interessante Objekte, jedoch fiel es mir etwas schwer, dem roten Faden zu folgen - doch ein so großes Thema in einer Ausstellung zu behandeln, ist auch immer eine besondere Herausforderung.

Sehr gut gefallen hat mir dann die neue Dauerausstellung Statussysmbole. Hier wurde klar, warum das Museum im Palais auch als "Schatzkammer der Steiermark" bezeichnet wird. Der steirische Herzogshut, der Prunkwagen Friedrichs III., der Prunkharnisch - es waren durchweg sehr schöne Stücke zu sehen, die auch gleichzeitig große Geschichte erzählten. Auch das Gebäude selbst, das Palais Herberstein, kam hier voll zur Geltung.

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Von meiner dritten Station, dem Landeszeughaus, gibt es leider keine Fotos, da ich dort keine Fotoerlaubnis mehr hatte. Das Zeughaus bietet eine unglaublich große Sammlung von Waffen und Rüstungen. Da es sich bei dem Gebäude um ein ehemaliges Waffenlager handelt, sind die Exponate nicht in Vitrinen ausgestellt sind, sondern so gelagert wie früher. Damit die Besucher nícht in kuriose Unfälle verwickelt werden, darf man sich im Landeszeughaus nur im Rahmen einer Führung umschauen. Da ich erst auf den Beginn der nächsten warten musste und zurück zum Flughafen musste, hatte ich dann bedauerlicherweise nur noch eine halbe Stunde Zeit für den eigentlichen Besuch des Hauses. An dieser Stelle Danke an die Führungskraft, die dann doch mit mir allein einen Schnelldurchlauf gemacht hat! Es war sehr interessant, und ich wäre gern länger geblieben!

Ein ganz großes Dankeschön!!! geht an Christoph Pelzl (Abteilung Außenbeziehungen des Joanneums), der mich kontaktiert und sich während meines Aufenthalts in Graz um mich gekümmert hat. Ich freue mich auf ein Wiedersehen!

Joanneumsviertel II: Die Ausstellungen

Die erste der Jubiläumsausstellungen, die ich gesehen habe, befindet sich direkt im Erdgeschoss: "Land der Bilder". Hier wird die Geschichte der Multimedialen Sammlungen erzählt. Gut gefallen hat mir daran das Zusammenspiel von alt und neu, gut zu sehen zum Beispiel an den Aktenschränken in der Mitte des Raums: Wenn man die Schubladen der alten/auf alt getrimmten (?) Aktenschränken aufzieht, kommen von unten beleuchtete Reproduktionen von Fotos zum Vorschein.

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Wenn man danach dem Rundgang folgt, kommt man in der Neuen Galerie zuerst in das neu eröffnete BRUSEUM. Wie der Name schon sagt, ist es dem in Graz lebenden Aktionskünstler Günter Brus gewidmet. Es verfügt über eine eigene Sammlung und Ausstellungsfläche.

Im Zentrum von Brus' künstlerischem Schaffen steht die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, in immer radikaler werdenden Aktionen bemalt und verletzt er sich selbst. Diese Phase endet mit der Zerreißprobe. Da eine weitere Steigerung ohne fatale Folgen nicht mehr möglich scheint, verlegt Brus sich auf zeichnerische und schriftstellerische Arbeiten, deren Fokus jedoch ebenfalls auf dem menschlichen Körper liegt. In der Ausstellung wurde seinen zumeist provozierenden und/oder schockierenden Arbeiten viel Raum zum Wirken gegeben und es wurde viel mit Zitaten des Künstlers gearbeitet, was für ein Verständnis vielleicht förderlicher ist als eine externe Kommentierung. Ergänzende Texte gibt es, wo sie nötig sind, aber mir ist positiv aufgefallen, wie zurückhaltend damit umgegangen wurde.

Persönlich werde ich wohl nicht mehr zum Fan von Günter Brus - für meinen Geschmack fließt in seinem Werk einfach zu viel Blut, sei es nun real oder imaginär. Ich musste fast schon lachen, als ich vor der Videoinstallation im letzten Raum der Ausstellung den Hinweis entdeckte, die gezeigten Inhalte könnten Kinder und Jugendliche unter 16 schockieren. Deshalb gibt es hier auch nur Fotos vom Eingang - wer mehr sehen will, muss hingehen. ;-)

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Die nächste Station im Rundgang durch die Neue Galerie ist die Jubiläumsausstellung Moderne: Selbstmord der Kunst?. Vereinfacht gesagt wird untersucht, wie gemalte Repräsentationen durch Objekte ersetzt wurden. Im ersten Raum werden systematisch je zwei Objekte einander gegenübergestellt: ein Gemälde und ein Objekt (objets trouvés, Ready Mades etc.). In den folgenden Räumen wird die Entwicklung in einer sehr stringenten Struktur am Beispiel von zehn Aspekten künstlerischen Schaffens durchgespielt: Linie, Farbe, Licht, Ton, Bewegung, Landschaft, Stillleben, Interieur, Körper, Interaktion. Soweit ich sehen konnte, stammen alle ausgestellten Objekte aus den Sammlungen des Joanneums, und es handelt sich durchgängig um sehr hochkarätige Werke.

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Im obersten Stockwerk der Neuen Galerie kommen wir zur letzten Ausstellung, die gleichzeitig mein persönlicher Favorit ist: Hans Hollein. Hier wird das Lebenswerk des Österreichers beleuchtet, der als Architekt zu Weltruhm gelangte. Besonders gefreut habe ich mich, ein Modell des "Tortenstücks", des Museums für Moderne Kunst Frankfurt, zu sehen.

Gemäß seinem Motto "Alles ist Architektur" betätigte Hollein sich auch als Künstler, Designer und Ausstellungsgestalter. Ausgestellt sind daher nicht nur Zeichnungen und Modelle, sondern beispielsweise auch Vasen und ein Wagen, der aus Teilen von sanitären Anlagen zusammengesetzt wurde. Gefallen hat mir die Ausstellung nicht nur wegen der Objekte, die schön, originell und oft überraschend sind, oder wegen des Zusammenspiels von Entwurfszeichnungen, Modellen und den Fotos realisierter Gebäude, sondern auch aufgrund der gelungenen Bespielung des Raums. Wandabwicklung und frei stehende Vitrinen ergänzen und kontextualisieren sich, ohne sich gegenseitig die Aufmerksamkeit streitig zu machen.

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Nach vier beeindruckenden Ausstellungen war ich eigentlich schon fast erschlagen von den ganzen Eindrücken, doch der Rundgang hat noch eine weitere Station zu bieten: die neuen Räumlichkeiten der Steiermärkischen Landesbibliothek. Der Neubau bietet Platz für 1.000.000 Bücher, sodass über den aktuellen Bestand von 700.000 Stück hinaus noch Raum für Neuanschaffungen bleibt. Die Regale waren noch nicht bestückt und das Ganze hatte noch diesen gewissen Baustellen-Charme, doch es war bereits zu erkennen, dass die Bibliothek ein angenehmer Ort für Lektüre und Recherche werden wird.

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Zu den Ausstellungen in der Neuen Galerie sind aufwändige und sicher sehr lesenswerte Publikationen erschienen. Leider konnte ich sie nicht mitbringen, da sie ein Gesamtgewicht von 10kg haben - im Gegensatz zu meinem Gepäck auf dem Hinflug, das gerade mal 4kg wog. Kleine, handliche Kataloge im Taschenbuchformat haben eben neben ihrem ansprechenden Preis auch noch weitere Vorteile...

Mit Teil 2 meines Berichts sind wir also jetzt am Ende meines ersten Tags in Graz angelangt. Vorschau: Morgen wird es im dritten und letzten Teil dieser kleinen Reihe um meinen Besuch im Kunsthaus, im Museum im Palais sowie im Landeszeughaus gehen.

Joanneumsviertel I: Die Eröffnung

So, hier endlich der vor einer Woche angekündigte Bericht von der Eröffnung des Joanneumsviertels in Graz. Da ich während meines 24stündigen Aufenthalts unendlich viel gesehen habe, da es eine nette Vorbereitung auf das tägliche Öffnen eines Türchens am Adventskalender ist und weil ich es heute gar nicht mehr schaffe, alles zu erzählen, wird es eine kleine Serie dazu geben. In diesem ersten Teil geht's erstmal um das Joanneumsviertel als neu entstandene Einheit und seine Eröffnung, die einzelnen Ausstellungen kommen dann später.

Wie schon erwähnt, gehören zum Joanneumsviertel im Moment die Neue Galerie, das neu entstandene Bruseum, die Multimedialen Sammlungen, die erstmalig Ausstellungsräume zur Verfügung haben und die Steiermärkische Landesbibliothek. Nächstes Jahr wird das Naturkundemuseum dazukommen. Der gemeinsame Zugang zu diesen Bereichen erfolgt über das unterirdische Besucherzentrum. Wenn man über den Platz läuft, bemerkt man mehrere gläserne Krater, die in die Erde hineingehen - man kann also von oben ins Besucherzentrum hineinschauen.

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Für die Eröffnung wurden sowohl für Samstag als auch für Sonntag Zeitkarten vergeben - der Eintritt war frei, aber man konnte als Besucher nur dann hinein, wenn man pünktlich zum auf der Karte vermerkten Termin vor Ort war. Zwar habe ich einige Beschwerden über das Anstehen in der Kälte gehört, doch für die Atmosphäre in den Ausstellungsräumen war es die richtige Entscheidung. Es war zwar voll, doch das Gedränge, das man bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung erwarten würde, blieb aus, und es war tatsächlich möglich, sich die Ausstellungen konzentriert anzuschauen. Was für mich ungewohnt war, war das strikte Fotografieverbot im Museum, das in Österreich wohl normal ist. Netterweise durfte ich trotzdem Bilder machen, um hier wenigstens einen ungefähren Eindruck vermitteln zu können.

Für diejenigen, die sich nicht mehr oder noch nicht in den Ausstellungsräumen aufhielten, gab es einen Adventmarkt im Joanneumsviertel. An einigen Ständen, die ebenfalls von den Architekten des Viertels designt wurden, konnte man sich mit heißen Getränken und Essen versorgen. Zu einem Erlebnis wurde der Aufenthalt allerdings durch eine sehr gelungene Installation - auf die Fassaden wurden kurze Videoclips geworfen, in denen die Kuratoren die unterschiedlichen Sammlungen vorstellten. Unterbrochen und untermalt wurde das Ganze durch Musikkompilationen, die eigens zusammengestellt worden waren und ebenfalls die einzelnen Sammlungen repräsentierten.

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Der Gesamteindruck war atmosphärisch dicht und sehr stimmig. Da fiel es kaum auf, dass zwischenzeitlich saubere Becher für Glühwein zur Mangelware wurden. ;-)

Zum 200jährigen gibt es auch eine Jubiläumspublikation, in der zunächst die Geschichte des Joanneums von der Gründung an erzählt wird. Im Anschluss wird die Gegenwart des Universalmuseums thematisiert, es werden aktuelle Fragestellungen diskutiert und, meiner Meinung nach eine sehr sympathische Ergänzung, die Mitarbeiter vorgestellt.

Vorschau: Morgen kommen die Jubiläumsausstellugen im Joanneumsviertel dran.

 

 

Vorfreude: 200 Jahre Joanneum

Am letzten Sonntag vor Beginn des Advents sitze ich vor meinem Laptop und bereite mich auf das nächste Wochenende vor: Ich fliege nach Graz, um an den Feierlichkeiten zum 200. Jubliäum des Universalmuseums Joanneum teilzunehmen. Am 26. November wird nach fast zwei Jahren der erste Bauabschnitt des Joanneumsviertels eröffnet. Die Neue Galerie Graz präsentiert das BRUSEUM. Ein Museum für Günter Brus und die Ausstellungen Moderne. Selbstmord der Kunst? und Hans Hollein, während die Multimedialen Sammlungen (das ehemalige Bild- und Tonarchiv) Land der Bilder. Eine multimediale Geschichte der Steiermark eröffnen. Auch die Steiermärkische Landesbibliothek wird wiedereröffnet und präsentiert ihr erweitertes Angebot, und im Hof des Joanneumsviertels wird es einen Adventmarkt geben. Nächstes Jahr wird dann das neue Naturkundemuseum eröffnet.

Wie ich dazu komme, zu einer Eröffnung nach Österreich zu reisen? Das Joanneum hat zu seinen beiden Pressekonferenzen sowie zur Eröffnung nicht nur Journalisten, sondern auch Blogger eingeladen - darunter eben auch mich. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal für die nette Einladung bedanken, die ich natürlich nicht ausschlagen konnte!

Da ich bisher noch nie in Graz war und daher nicht einen einzigen der zehn Standorte des Joanneums kenne, werde ich jede Menge zu tun haben in den nur ca. 24 Stunden, die ich vor Ort sein werde. Für alle, die meine Bildungslücke teilen, stellt das Joanneum auf Flickr jede Menge Impressionen zur Verfügung:

Flickr_joanneum
An der Stelle darf ich auch noch kurz erwähnen, dass ich den Social Media-Einsatz des Hauses beachtlich finde: Auf der Homepage wird nicht nur auf Facebook und Twitter hingewiesen, es gibt für jeden einzelnen Artikel die Möglichkeit, den Link direkt zu twittern oder auf Facebook zu posten. Beide Plattformen werden aktiv genutzt, und, ebenfalls vorbildlich: das @Joanneums4tel hat einen eigenen Twitter-Account. An dieser Stelle ein großes Lob an die Verantwortlichen, die nicht vergessen, für regelmäßige Updates zu sorgen, obwohl im Moment mit Sicherheit in allen Abteilungen die Hölle los ist!

Ich freue mich jedenfalls sehr, das Joanneum und seine fleißigen Twitterer persönlich kennen zu lernen und bin gespannt auf das Ereignis! Sollte ich W-LAN haben, werde ich live twittern, falls das nicht klappt, wird es den ersten Bericht spätestens Sonntagabend hier geben.

Social-Media-Gaming-Barbecue: Wiederholungstäter

Am 29. September hat das zweite Social-Media-Gaming-Barbecue (#smgbbq) in Frankfurt stattgefunden. Ich hatte schon einmal über diese Aktion berichtet, die Christoph Deeg ins Leben gerufen hat, da ich auch beim ersten Mal dabei war. Bei der Neuauflage hat auch Ulrike Schmid teilgenommen. Es war schon etwas spät, um den Grill anzuwerfen, also haben wir uns auf japanische Küche geeinigt und im Mosch Mosch gegessen.

Wie beim letzten Mal war es ein sehr schöner Abend mit spannenden Gesprächen – über Social Media, kulturelle Institutionen, Gaming, Hochkultur und Populärkultur, die Parallelen zwischen dem Besuch eines Fußballstadions und eines Museums, die Zukunft kultureller Betriebe in Deutschland und vieles mehr. Ein Thema, auf das wir immer wieder zurückgekommen sind, ist die Tatsache, dass ss nach wie vor bei Weitem nicht selbstverständlich zu sein scheint, Phänomene wie Social Media und Gaming mit Kulturvermittlung zusammen zu bringen. Ich vermute, dass sich das auf die immer noch präsente Trennung zwischen Hochkultur und Popkultur zurückführen lässt.

Wenn jemand diese Dichotomie aufmacht, werde ich immer an ein Buch erinnert, über das ich während meines Studiums im Zuge der Recherche für eine Hausarbeit über Computerspiele gestolpert bin: „Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel“ von Johan Huizinga. Der niederländische Kulturhistoriker, der meines Wissens vor allem durch „Herbst des Mittelalters“ bekannt wurde, begreift den Menschen als denkendes, schaffendes und spielendes Wesen. Als Spiel definiert Huizinga eine freiwillige Handlung, die durch einen bestimmten Raum und eine vordefinierte Dauer vom „gewöhnlichen“ oder „eigentlichen“ Leben getrennt ist (Vgl. Johann Huizinga: "Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel." Rowohlt: Reinbek bei Hamburg, 1956.19. Aufl. S. 16) und Spielregeln folgt (Vgl. Huizinga 1956, S. 20f.).

Das Spiel ist für ihn nicht eine Ausprägung von Kultur, sondern einer ihrer Ursprünge: „Spiel ist älter als Kultur; denn so ungenügend der Begriff Kultur begrenzt sein mag, er setzt doch auf jeden Fall eine menschliche Gesellschaft voraus, und die Tiere haben nicht auf die Menschen gewartet, daß diese sie erst das Spielen lehrten“ (Huizinga 1956, S. 9). Er versucht in seiner Untersuchung zu zeigen, dass „Kultur in Form von Spiel entsteht, daß Kultur anfänglich gespielt wird“ (Huizinga 1956, S. 57). Das Spiel ist also ein Experimentieren mit Verhaltensweisen, die sich eventuell zu kulturellen Normen ausbilden können. Im Laufe der Zeit tritt das spielerische Element dann in den Hintergrund, geht zu großen Teilen in der sakralen Sphäre auf, aber auch in der Kunst, im Rechtssystem, in der Politik u. ä. Verschwinden kann das spielerische Element jedoch nie, im Gegenteil - es kann jederzeit wieder zentral werden (Vgl. Huizinga 1956, S. 57). Diesen Prozess zeigt Huizinga an der Entwicklung mehrerer Kulturkreise auf.

Vor dem Hintergrund eines solchen Kulturbegriffs wirkt nicht nur die Unterscheidung zwischen Hoch- und Popkultur fragwürdig, sondern auch die Abwertung von Social Media gegenüber traditionellen Medien. Es ist also keineswegs revolutionär oder gewagt, wenn ein Museum, ein Orchester, eine Bibliothek oder eine ähnliche Institution die neuen Kanäle nutzt - und sich auf ihre spezifische Funktionsweise einstellt! -, vielmehr klinkt sie sich so in die Entwicklung von Kultur aus Spiel ein: Wenn eine Plattform neu ist, wird zunächst spielerisch ausprobiert, wie sie genutzt werden kann. Es gibt noch keine Standards, die Etikette ist noch unspezifisch, die geeigneten Ausdrucksformen und Einsatzgebiete für das Netzwerk finden sich erst allmählich. (Das ist im Moment etwa bei Google + zu beobachten: Es gibt noch Änderungen und Ergänzungen von zentraler Bedeutung, Early Adopters „spielen“ mit den neuen Möglichkeiten.) Im Lauf der Zeit ritualisiert sich so etwas: Jemand, der zum ersten Mal die Twitter-Homepage aufruft, wird wahrscheinlich nur Bahnhof verstehen. "Social Media" ist eine Sprache mit sehr verschiedenen Dialekten, die man erstmal lernen muss - und auch das funktioniert am besten über ein spielerisches Ausprobieren. Und das Beste ist: Wer "mitspielt", kann das Netzwerk und seinen Dialekt mitprägen.

Zu vorgerückter Stunde hat Christoph mit Ulrike und mir dann auch noch Videointerviews gemacht - das gehört auch zur Tradition des Social-Media-Gaming-Barbecue. Sie werden wahrscheinlich früher oder später auf seinem Blog auftauchen...

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Nach einem Absacker mussten wir den Abend dann beenden, weil wir alle am nächsten Morgen Termine hatten - ich freue mich aber schon auf die nächste Gelegenheit, an einem Social-Media-Gaming-Barbecue teilzunehmen! Auf diesem Weg noch einmal Danke an Christoph und Ulrike :-)

Adoptionen oder Der Flaschengeist und das Spielemuseum

Ihr erinnert euch noch an Adopt-a-Museum? Die Reihe hat heute ein kleines Jubliläum gefeiert: Den 10. Blog-Post und damit die 10. Adoption. Meinen herzlichen Glückwunsch an das Team, Jenni Fuchs (@jennifuchs) und Simon Madine (@thingsinjars)! Mittlerweile sind mehrere Nationen, sogar mehrere Kontinente vertreten. Ein sehr schönes Beispiel dafür, wie man über die Verwendung von Kanälen wie Twitter und Facebook spannende Projekte ins Leben rufen kann.

Mein Artikel, den ich hier angekündigt hatte, war der dritte auf dem Blog. Es ging um das Schweizer Spielemuseum in Vevey, das ich gefunden habe, als ich zum Ausstellungsaufbau im Alimentarium in diesem pittoresken kleinen Städtchen war.

Adopt-a-museum-post

http://adopt.museum140.com/2011/07/19/swiss-games-museum/

Den Text zu schreiben, war für mich eine ganz neue Erfahrung. Nicht so sehr wegen des Artikels an sich, sondern weil es der erste war, den ich mit der Hilfe meines Maskottchens verfasst habe. Ich habe nämlich in letzter Zeit nicht nur ein Museum, sondern auch einen Welpen adoptiert. Habt ihr schon mal versucht, eine Mail zu Ende zu tippen, ohne versehentlich auf "Senden" zu drücken, weil euch ein begeistertes Hundebaby plötzlich auf den Schoß gehüpft ist? Der Mensch wächst an seinen Herausforderungen... ;-) Zum Glück bringt Jeannie, ein winzige rote Hündin, bis jetzt gerade mal stolze 4,6 kg auf die Waage, da ist das zu verkraften.

Sie ist im Juli bei mir eingezogen. Seitdem arbeite ich erstmal halbe Tage im Museum und den Rest von zuhause aus. Ich habe nämlich in sehr regelmäßigen Abständen Couch-Arrest, weil die junge Dame (sie dürfte jetzt gute vier Monate alt sein) da am liebsten schläft - und schlafende Löwen soll man nicht wecken. Diese Phasen nutze ich nach Möglichkeit zum Schreiben, mein Laptop ist bereits vom Schreibtisch auf die Couch umgezogen.

Auf Dauer soll es natürlich eher so laufen, dass Jeannie da ist, wo ich bin und nicht umgekehrt, aber noch ist sie sehr ängstlich und muss sich erstmal Schritt für Schritt an die große weite Welt gewöhnen. Da sie als Straßenhund in Rumänien auf die Welt gekommen ist, weiß man nicht so genau, was sie in ihren ersten Lebenswochen erlebt hat. Leider merkt man an manchen Reaktionen, dass es nicht nur Gutes war.

Ihren Namen verdankt sie der "Bezaubernden Jeannie", dem Flaschengeist aus der beliebten Fernsehserie der 1960er. (Meine Wünsche erfüllt sie zugegeben im Moment noch selten, dafür bringt sie mich umso häufiger zum Lachen - und wir arbeiten daran!) Meine kleine Assistentin soll mich natürlich möglichst oft begleiten, da wäre es sicher manchmal sehr praktisch, wenn ich sie kurz zurück in ihre Flasche zaubern könnte.

Wie ich darauf gekommen bin, ausgerechnet diesen Hund zu nehmen? Ich habe sie natürlich im Internet kennen gelernt. Und wer könnte diesen Augen widerstehen?

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Nachtrag: Social Media Aktivitäten rund um die Wiedereröffnung?

Was mir selbst erst im Nachhinein aufgefallen ist, weil ich im Ausland war und somit gar kein Internet hatte, ist, wie sparsam die große Neueröffnung des Filmmuseums über die sozialen Netzwerke angekündigt wurde. Während der Umbauphase gab es die einheitliche, groß angelegte Kampagne "dasneuefilmmuseum" mit eigener Homepage, Fanpage auf Facebook und Twitteraccount. Ende Juli wurde all das zurückgeleitet auf "Das Deutsche Filmmuseum", seitdem schweigen die Seiten / Profile von "dasneuefilmmuseum". Das finde ich persönlich etwas unglücklich, weil man erstmal mitbekommen musste, dass am 27. Juli auf http://www.facebook.com/filmmuseum angekündigt worden war, dass es Neuigkeiten in Zukunft über http://www.facebook.com/deutschesfilmmuseum geben würde. Das gleiche gilt für Twitter: Ich bin dem Account @neuesfilmmuseum gefolgt - der letzte Tweet bezüglich der Eröffnung stammt vom 29. Juli. Wird es auch hier einen neuen Account geben?

Dass "dasneuefilmmuseum" irgendwann wieder zum "Deutschen Filmmuseum" werden musste, ist verständlich. Aber der Übergang hätte vielleicht weniger abrupt erfolgen sollen, und man hätte die Fans und Follower zumindest mehrfach, am besten über einen längeren Zeitraum hinweg, auf die neuen Seiten hinweisen sollen. Hier scheint die Überzeugung geherrscht zu haben, dass Interessierte sich auch informieren würden. Übersehen wurde dabei, dass auf den sozialen Kanälen ein anderer Umgangston üblich ist. Eine Seite einfach einzustellen wirkt auf mich unhöflich, vielleicht ging es anderen ebenso. Bezeichnend ist in meinen Augen, dass als Reaktion auf die Mitteilung "Aktuelle Infos zum Deutschen Filmmuseum findet ihr in Zukunft hier" nur eine einzige Person auf "gefällt mir" geklickt hat, Kommentare gibt es überhaupt keine.

Insgesamt finde ich, dass viel Potenzial verschenkt wurde. Sicher musste sich das Filmmuseum keine Sorgen machen, dass die Besucher ausbleiben würden, dafür waren der sonnige Sonntag und der freie Eintritt beinahe Garanten. Außerdem hatten die Filmfans nach eineinhalb Jahren Schließung gewissermaßen Entzugserscheinungen. Trotzdem ist es schade, dass gerade die Fans und Follower nicht ausdrücklicher aufmerksam gemacht wurden. Es wäre mit wenig Aufwand verbunden gewesen, auf Facebook ein Event zu erstellen und die Fans einzuladen. Und die Berichterstattung ganze zwei Wochen vor dem großen Ereignis komplett einzustellen, ist in meinen Augen einfach unlogisch. Bis zur Eröffnung, während der Eröffnung und auch über die Eröffnung hinaus wäre ein verstärktes Engagement in den Social Media wünschenswert (gewesen).

Wiedereröffnung des Deutschen Filmmuseums Frankfurt

Nachdem das Deutsche Filmmuseum gut eineinhalb Jahre lang geschlossen war, hat an diesem Wochenende die Wiedereröffnung stattgefunden. Freitag und Samstag war das Haus nur für geladene Gäste geöffnet, heute dann für alle. Von 10 bis 22 Uhr bei freiem Eintritt konnten Interessierte sich die neuen Ausstellungen, aber auch die neuen Räumlichkeiten anschauen - ein Angebot, das dem Andrang nach zu urteilen auf großen Anklang gestoßen ist.

Während der Schließung wurde nicht "nur" die Dauerausstellung überarbeitet, sondern auch das Haus aufgestockt, um mehr Raum für Sonderausstellungen sowie für die pädagogische Arbeit zu schaffen. Die Veränderung ist also schon von außen deutlich erkennbar. Auch im Inneren hat sich alles verändert: Im Erdgeschoss findet sich Museumsshop und Café in großzügigen Räumlichkeiten, das Treppenhaus wirkt hell und offen.

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Die Dauerausstellung zerfällt wie gehabt in zwei thematische Schwerpunkte, die auch auf getrennten Stockwerken zu finden sind. Im ersten Stock geht es um "Filmisches Sehen", also um die Entwicklung der Techniken, die zu bewegten Bildern der unterschiedlichsten Arten geführt haben. Die Vitrinen sind als schwarze Tuben mitten im ebenfalls schwarzen Ausstellungsraum verteilt. Sie sind zu fünf thematischen Clustern angeordnet: Schaulust, Bewegung, Aufnahme, Projektion und Laufbild. Die Wände sind ebenfalls bespielt, teils mit weiteren in die Wand eingelassenen Vitrinen, teils mit den Ausstellungstexten. Sehr schön gelungen ist meiner Meinung nach die Kombination von Originalobjekten und Modellen, die sich teils direkt neben den Vitrinen, teils in Form von Stelen in den Clustern befinden und von den Besuchern ausprobiert werden dürfen. Nachdem also die Funktionsweise eines historischen Apparats erklärt wurde, hat man an vielen Stellen die Möglichkeit, ihn selbst zu testen. Da im Deutschen Filmmuseum der Film immer für sich selbst sprechen soll, findet sich am Ende der Ausstellung auch ein kleines Kino, in dem ein Programm früher Stummfilme zu sehen ist.

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Im zweiten Stock steht das "Filmische Erzählen" im Mittelpunkt, in anderen Worten die Sprache des Spielfilms. Der Ausstellungsteil ist gegliedert in die Bereiche Schauspiel, Ton, Bild und Montage. Auch hier ist der Raum eine "Black Box", dennoch ist die Raumwirkung vollkommen anders als im ersten Teil. Beim Hereinkommen steht der Besucher zunächst vor einer Filminstallation, auf der auf vier großen Leinwänden Ausschnitte aus Filmen gezeigt werden, die sich gegenseitig kontextualisieren. Rund um dieses Herzstück befinden sich entlang der Wände freistehende Vitrinen mit quadratischem Sockel, in denen die Highlight-Exponate gezeigt werden. Entlang der Wände befinden sich Vitrinen mit weiteren Exponaten und Ausstellungstexten, unterbrochen von Monitoren, auf denen der Besucher sich Interviews mit Filmschaffenden anschauen kann. In den hinteren Ecken des Raums befinden sich die Multimediastationen, an denen Montagetechniken und die Wirkung verschiedener Lichtsetzungen ausprobiert werden können. Verbunden werden die beiden Stationen durch einen großen Greenscreen, auf dem mit drei Kameras aufgenommen wird - man kann sich selbst auf den Monitoren so vor drei verschiedenen Hintergründen sehen.

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Insgesamt überzeugt die neue Dauerausstellung durch ihre faszinierenden Objekte und ihre hohe Interaktivität. Was meiner Meinung nach gelegentlich schwierig ist, ist die Orientierung den schwarz gehaltenen Räumen, da die farbliche Abgrenzung der thematischen Bereiche sehr zurückhaltend ausgefallen ist (hier kommt zum Tragen, das ich so dunkle Räume einfach nicht mag). Dies wird sicher durch die Führungen kompensiert werden müssen, eine Hilfe ist aber auch die zur Eröffnung erschienene Sonderausgabe des Programmhefts, das das neu gestaltete Haus vorstellt und auch Pläne der Ausstellungsräume beinhaltet.

Im dritten Stock befindet sich der Raum für Sonderausstellung, der aktuell mit "Jim Rakete - Stand der Dinge" belegt ist. Die Wände werden bespielt mit 100 Porträtfotografien deutscher Filmschaffender, die Jim Rakete in einzigartiger Manier geschaffen hat. Rakete hat jeden Star mit einem Objekt fotografiert, das in einem seiner wichtigsten Filme eine Rolle spielt bzw. bezeichnend für sein Schaffen ist, so etwa Nora Tschirmer mit dem Keinohrhasen und Michael Ballhaus mit seinem Viewfinder. Jedes einzelne Bild ist originell und anrührend und würde eine eingehende Betrachtung verdienen, die heute leider aufgrund des großen Andrangs nicht möglich war. Im Raum verteilt finden sich transportkistenartige Vitrinen, in denen einige der abgelichteten Objekte zu finden sind - zum Beispiel der Keinohrhase.

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Im vierten Stock schließlich befinden sich die Räume der Pädagogik, in denen unter Anleitung filmspezifische Techniken zu erproben sein werden:
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Insgesamt ist das neue Filmmuseum kaum wiederzuerkennen, auch wenn durchaus einige der Exponate aus der alten Dauerausstellung wieder mit von der Partie sind. Während die Ausstellung früher sehr stark inszeniert war und in viele kleinere Räume zerfiel, die entsprechend der Epoche, die sie erzählen sollten, gestaltet waren, wirkt die Ausstellung jetzt moderner und stringenter. Was sich nicht verändert hat, ist die Tatsache, das sie zum Entdecken und Experimentieren einlädt. Und dass sie Erinnerungen weckt...
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