Posterous theme by Cory Watilo

Tanja Neumann

Tanja Neumann

Die mobile Datennutzung steigt rapide, immer mehr Deutsche nutzen Smartphones. Der Löwenanteil entfällt auf die Nutzung sozialer Netzwerke wie Facebook oder Microblogging-Tools wie Twitter. Was dabei entsteht, ist ein Augemented Social Space, ein Raum, der nach wie vor physikalisch ist, aber auch durch das (Social) Web ergänzt und überlagert wird.
Museen, die ihr Publikum erreichen wollen, müssen sich in diesem veränderten Raum verorten. Mit der Frage, wie das aussieht oder aussehen könnte, beschäftigt sich nicht nur meine gerade entstehende Dissertation, sondern auch dieses Blog. Da der Weg noch weit ist, muss auch Raum zum Träumen sein...

Wunderkit - ein Testbericht

Heute Mittag habe ich im Posteingang meinen Beta-Invite für Wunderkit vorgefunden. Perfektes Timing: Da der Sonntag aktuell mein einziger freier Tag ist, musste ich die Gelegenheit zum Testen doch gleich nutzen!

Wunderkit soll der neue Stern am Himmel der Projektmanagement-Tools werden, da sind die Erwartungen natürlich hoch. Die Beta-Phase hat am 17. Januar begonnen. Der erste Eindruck war leider nicht ausschließlich positiv: Die Beta-Phase verläuft noch nicht annähernd reibungslos, Wunderkit ist noch sehr langsam und hängt sich permanent auf (realistisch: einmal pro Minute) und führt in sehr regelmäßigen Abständen sogar zu Firefox-Crashes. Positiv erwähnen muss ich das wirklich schön gemachte Video-Tutorial, das unterhaltsam und kompakt die Funktionen des Tools erklärt.

Grundlegend hat jeder Nutzer die Möglichkeit, innerhalb seines Profils für verschiedene Projekte je einen eigenen Workspace zu erstellen. Dieser kann komplett privat bleiben, öffentlich sichtbar sein oder nur mit ausgewählten "Mitgliedern" geteilt werden, die man gezielt einlädt. Es gibt auch die Möglichkeit, die Privatsphäre-Einstellungen für jedes Posting anzupassen.

Innerhalb jedes Workspaces gibt es drei Einheiten: Dashboard, Tasks und Notes. Das Dashboard erinnert an ähnliche Dienste (HootSuite etc.) und zeigt eine Übersicht aller Aktivitäten. Tasks und Notes sind genau, wonach sie klingen. Interessant ist, dass alle Mitglieder eines Workspaces hier kommentieren und verändern können, es ist auch möglich, die Aufgaben direkt einem oder mehreren Mitgliedern zuzuweisen. Die Anmeldung erfolgt über Twitter- oder Facebook-Accounts, es besteht aber auch die Möglichkeit, einen neuen Account zu erstellen.

Wunderkit
Sollte Wunderkit in naher Zukunft zuverlässig laufen und mit kostenlosem Basic-Account seine Funktionalität behalten (aktuell wird jeder Nutzer automatisch für 90 Tage zum Pro-User, es gibt noch keine Stellungnahme der 6Wunderkinder bezüglich der Abgrenzung von kostenpflichtigen und kostenlosen Accounts), könnte das Tool durchaus für den Kulturbereich interessant werden.Es soll bald die Möglichkeit zum Upload von Dateien geben, auch Apps für die gängigen Smartphones und Tablets sind in Planung.

In Museen und anderen Kultureinrichtungen scheitert die Nutzung von Projektmanagement-Software ja oft an Lizenzgebühren oder der Notwendigkeit, die Software zu installieren. Diese Hürden könnten hier umgangen werden. Wunderkit könnte eine schöne Möglichkeit sein, Ausstellungen im Team zu planen, Veranstaltungen zu organisieren, es könnte aber auch die Gestaltung interner Blogs oder Wikis, die oft als zu kompliziert empfunden wird, überflüssig machen. Selbstredend ist das heute noch reine Zukunftsmusik, da abzuwarten bleibt, wie die Plattform sich entwickelt.

So war 2012

Bevor jetzt jemand glaubt, ich hätte mich noch nicht von den Nachwirkungen der gestrigen Party erholt - ja, die Jahreszahl ist mein voller Ernst. Das Ausschlafen übernimmt heute meine kleine Assistentin für mich:

Neujahr
Die Idee, schon jetzt (okay, eigentlich bis gestern, aber ich hoffe, mir wird verziehen werden) zu schreiben, stammt von Christoph Deeg, der auf seinem Blog zu dieser Blogparade aufgerufen hat.

2012 war, was den Einsatz von Social Media bei den deutschen Kultureinrichtungen angeht, ein Meilenstein. Nicht nur sind zum 31.12.2012 sage und schreibe 99,8% der deutschen Museen, Bibliotheken und Orchester mit mindestens einem Social Media-Profil ausgestattet (von denen immerhin 80% auch regelmäßig aktualisiert werden). Die entscheidendste Veränderung in meinen Augen ist die im Selbstverständnis der Institutionen.

Was Bibliotheken und Orchester angeht, überlasse ich den Bericht den Spezialisten. Bei den deutschen Museen konnte ich folgende Veränderungen beobachten:

1. Immerhin 55% aller neuen Sonderausstellungen waren mit partizipativen Elementen versehen, und damit meine ich nicht nur eine Feedback-Box am Ausgang, deren Inhalt vielleicht nie gelesen wird. Schöne Beispiele waren für mich vor allem zwei Ausstellungen: Eine zum Thema Comics, bei der man vor dem Betreten der Ausstellungsräume ein kleines Quiz absolvieren musste. Nach der Auswertung bekam man mitgeteilt, mit welchem Helden/Schurken man die größte Ähnlichkeit hatte. Als dieser wurde man dann mittels des entsprechenden Accessoires (Cape, Hut o.ä.) markiert. Beim Besuch der Ausstellung konnte man gar nicht anders, als in die Rolle zu schlüpfen... Die zweite verlangte vor dem Betreten eine Entscheidung auf die Frage: Wird die EU Bestand haben? Je nach Antwort bekam man eine rote oder grüne Chipkarte. Während Teile der Ausstellung ganz klassisch angelegt waren (Vitrinen mit Objekten zum Thema und Texten, die Hintergrundinformationen vermittelten), funktionierten die Multimedia-Stationen nur mithilfe der Chipkarte. Hier sahen "Ja-Sager" und "Nein-Sager" unterschiedliche Filme: Ausblicke, wie die Zukunft aussehen könnte, falls sie Recht behielten, kombiniert mit Argumenten, die gegen die Antwort sprachen, die sie beim Eintritt gegeben hatten. Am Ende der Ausstellung wurde natürlich erneut gefragt - und das Ergebnis wurde sofort in die Statistik eingespeist, die man hier sehen konnte: Prozentangaben für die Jas und Neins vor und nach dem Besuch der Ausstellung, sowie einen Wert, der die Zahl der Meinungsänderungen durch den Besuch dokumentierte.

(Wer sich hier an Nina Simons "The Participatory Museum" erinnert fühlt, liegt richtig!)

2. Das Bewusstsein der deutschen Museen für ihre Zielgruppen wurde geschärft. Die Ansprache erfolgte 2012 sehr viel gezielter über die verschiedenen Kanäle. Ein wunderbares Beispiel ist die gemeinsame App der deutschen und österreichischen Museen (kostenlos für iPhone, Blackberry und Android-Geräte erhältlich). Jeder Nutzer kann hier sein eigenes Profil erstellen und angeben, welcher Typ Museum bzw. Veranstaltung ihn interessiert. Sobald er sich in der räumlichen Nähe aufhält bzw. es Neuigkeiten zu berichten gibt, wird er per Push-Mitteilung darüber informiert.

3. Die Strukturen innerhalb der Organisationen haben sich verändert. Interne Blogs und Wikis sind bei 60% der Museen anzutreffen und werden in der Mehrheit gern genutzt. Ideen können so schneller innerhalb des Teams kommuniziert und ausgearbeitet werden, es besteht aber natürlich auch die Möglichkeit, Berichte/Fragen über die sozialen Netzwerke zu verbreiten und sich Hilfe und Anregungen von außen zu holen.

2012 war also ein ereignisreiches und in vieler Hinsicht sehr positives Jahr. Selbstredend ist der Weg immer noch weit, und auch im nächsten Jahr wird sich sicher niemand langweilen müssen.

Wie es mir ergangen ist? Meine Dissertation ist so gut wie fertig, mein Honorar hat sich fast verdoppelt und auch die Integration freier Mitarbeiter in die Struktur meines Lieblingsmuseums hat sich stark verbessert. So stark sogar, dass mein Hund mich jetzt jeden Tag zur Arbeit begleiten darf. In diesem Sinne: Ein frohes neues Jahr!!!