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Nachtrag: Social Media Aktivitäten rund um die Wiedereröffnung?

Was mir selbst erst im Nachhinein aufgefallen ist, weil ich im Ausland war und somit gar kein Internet hatte, ist, wie sparsam die große Neueröffnung des Filmmuseums über die sozialen Netzwerke angekündigt wurde. Während der Umbauphase gab es die einheitliche, groß angelegte Kampagne "dasneuefilmmuseum" mit eigener Homepage, Fanpage auf Facebook und Twitteraccount. Ende Juli wurde all das zurückgeleitet auf "Das Deutsche Filmmuseum", seitdem schweigen die Seiten / Profile von "dasneuefilmmuseum". Das finde ich persönlich etwas unglücklich, weil man erstmal mitbekommen musste, dass am 27. Juli auf http://www.facebook.com/filmmuseum angekündigt worden war, dass es Neuigkeiten in Zukunft über http://www.facebook.com/deutschesfilmmuseum geben würde. Das gleiche gilt für Twitter: Ich bin dem Account @neuesfilmmuseum gefolgt - der letzte Tweet bezüglich der Eröffnung stammt vom 29. Juli. Wird es auch hier einen neuen Account geben?

Dass "dasneuefilmmuseum" irgendwann wieder zum "Deutschen Filmmuseum" werden musste, ist verständlich. Aber der Übergang hätte vielleicht weniger abrupt erfolgen sollen, und man hätte die Fans und Follower zumindest mehrfach, am besten über einen längeren Zeitraum hinweg, auf die neuen Seiten hinweisen sollen. Hier scheint die Überzeugung geherrscht zu haben, dass Interessierte sich auch informieren würden. Übersehen wurde dabei, dass auf den sozialen Kanälen ein anderer Umgangston üblich ist. Eine Seite einfach einzustellen wirkt auf mich unhöflich, vielleicht ging es anderen ebenso. Bezeichnend ist in meinen Augen, dass als Reaktion auf die Mitteilung "Aktuelle Infos zum Deutschen Filmmuseum findet ihr in Zukunft hier" nur eine einzige Person auf "gefällt mir" geklickt hat, Kommentare gibt es überhaupt keine.

Insgesamt finde ich, dass viel Potenzial verschenkt wurde. Sicher musste sich das Filmmuseum keine Sorgen machen, dass die Besucher ausbleiben würden, dafür waren der sonnige Sonntag und der freie Eintritt beinahe Garanten. Außerdem hatten die Filmfans nach eineinhalb Jahren Schließung gewissermaßen Entzugserscheinungen. Trotzdem ist es schade, dass gerade die Fans und Follower nicht ausdrücklicher aufmerksam gemacht wurden. Es wäre mit wenig Aufwand verbunden gewesen, auf Facebook ein Event zu erstellen und die Fans einzuladen. Und die Berichterstattung ganze zwei Wochen vor dem großen Ereignis komplett einzustellen, ist in meinen Augen einfach unlogisch. Bis zur Eröffnung, während der Eröffnung und auch über die Eröffnung hinaus wäre ein verstärktes Engagement in den Social Media wünschenswert (gewesen).

Wiedereröffnung des Deutschen Filmmuseums Frankfurt

Nachdem das Deutsche Filmmuseum gut eineinhalb Jahre lang geschlossen war, hat an diesem Wochenende die Wiedereröffnung stattgefunden. Freitag und Samstag war das Haus nur für geladene Gäste geöffnet, heute dann für alle. Von 10 bis 22 Uhr bei freiem Eintritt konnten Interessierte sich die neuen Ausstellungen, aber auch die neuen Räumlichkeiten anschauen - ein Angebot, das dem Andrang nach zu urteilen auf großen Anklang gestoßen ist.

Während der Schließung wurde nicht "nur" die Dauerausstellung überarbeitet, sondern auch das Haus aufgestockt, um mehr Raum für Sonderausstellungen sowie für die pädagogische Arbeit zu schaffen. Die Veränderung ist also schon von außen deutlich erkennbar. Auch im Inneren hat sich alles verändert: Im Erdgeschoss findet sich Museumsshop und Café in großzügigen Räumlichkeiten, das Treppenhaus wirkt hell und offen.

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Die Dauerausstellung zerfällt wie gehabt in zwei thematische Schwerpunkte, die auch auf getrennten Stockwerken zu finden sind. Im ersten Stock geht es um "Filmisches Sehen", also um die Entwicklung der Techniken, die zu bewegten Bildern der unterschiedlichsten Arten geführt haben. Die Vitrinen sind als schwarze Tuben mitten im ebenfalls schwarzen Ausstellungsraum verteilt. Sie sind zu fünf thematischen Clustern angeordnet: Schaulust, Bewegung, Aufnahme, Projektion und Laufbild. Die Wände sind ebenfalls bespielt, teils mit weiteren in die Wand eingelassenen Vitrinen, teils mit den Ausstellungstexten. Sehr schön gelungen ist meiner Meinung nach die Kombination von Originalobjekten und Modellen, die sich teils direkt neben den Vitrinen, teils in Form von Stelen in den Clustern befinden und von den Besuchern ausprobiert werden dürfen. Nachdem also die Funktionsweise eines historischen Apparats erklärt wurde, hat man an vielen Stellen die Möglichkeit, ihn selbst zu testen. Da im Deutschen Filmmuseum der Film immer für sich selbst sprechen soll, findet sich am Ende der Ausstellung auch ein kleines Kino, in dem ein Programm früher Stummfilme zu sehen ist.

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Im zweiten Stock steht das "Filmische Erzählen" im Mittelpunkt, in anderen Worten die Sprache des Spielfilms. Der Ausstellungsteil ist gegliedert in die Bereiche Schauspiel, Ton, Bild und Montage. Auch hier ist der Raum eine "Black Box", dennoch ist die Raumwirkung vollkommen anders als im ersten Teil. Beim Hereinkommen steht der Besucher zunächst vor einer Filminstallation, auf der auf vier großen Leinwänden Ausschnitte aus Filmen gezeigt werden, die sich gegenseitig kontextualisieren. Rund um dieses Herzstück befinden sich entlang der Wände freistehende Vitrinen mit quadratischem Sockel, in denen die Highlight-Exponate gezeigt werden. Entlang der Wände befinden sich Vitrinen mit weiteren Exponaten und Ausstellungstexten, unterbrochen von Monitoren, auf denen der Besucher sich Interviews mit Filmschaffenden anschauen kann. In den hinteren Ecken des Raums befinden sich die Multimediastationen, an denen Montagetechniken und die Wirkung verschiedener Lichtsetzungen ausprobiert werden können. Verbunden werden die beiden Stationen durch einen großen Greenscreen, auf dem mit drei Kameras aufgenommen wird - man kann sich selbst auf den Monitoren so vor drei verschiedenen Hintergründen sehen.

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Insgesamt überzeugt die neue Dauerausstellung durch ihre faszinierenden Objekte und ihre hohe Interaktivität. Was meiner Meinung nach gelegentlich schwierig ist, ist die Orientierung den schwarz gehaltenen Räumen, da die farbliche Abgrenzung der thematischen Bereiche sehr zurückhaltend ausgefallen ist (hier kommt zum Tragen, das ich so dunkle Räume einfach nicht mag). Dies wird sicher durch die Führungen kompensiert werden müssen, eine Hilfe ist aber auch die zur Eröffnung erschienene Sonderausgabe des Programmhefts, das das neu gestaltete Haus vorstellt und auch Pläne der Ausstellungsräume beinhaltet.

Im dritten Stock befindet sich der Raum für Sonderausstellung, der aktuell mit "Jim Rakete - Stand der Dinge" belegt ist. Die Wände werden bespielt mit 100 Porträtfotografien deutscher Filmschaffender, die Jim Rakete in einzigartiger Manier geschaffen hat. Rakete hat jeden Star mit einem Objekt fotografiert, das in einem seiner wichtigsten Filme eine Rolle spielt bzw. bezeichnend für sein Schaffen ist, so etwa Nora Tschirmer mit dem Keinohrhasen und Michael Ballhaus mit seinem Viewfinder. Jedes einzelne Bild ist originell und anrührend und würde eine eingehende Betrachtung verdienen, die heute leider aufgrund des großen Andrangs nicht möglich war. Im Raum verteilt finden sich transportkistenartige Vitrinen, in denen einige der abgelichteten Objekte zu finden sind - zum Beispiel der Keinohrhase.

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Im vierten Stock schließlich befinden sich die Räume der Pädagogik, in denen unter Anleitung filmspezifische Techniken zu erproben sein werden:
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Insgesamt ist das neue Filmmuseum kaum wiederzuerkennen, auch wenn durchaus einige der Exponate aus der alten Dauerausstellung wieder mit von der Partie sind. Während die Ausstellung früher sehr stark inszeniert war und in viele kleinere Räume zerfiel, die entsprechend der Epoche, die sie erzählen sollten, gestaltet waren, wirkt die Ausstellung jetzt moderner und stringenter. Was sich nicht verändert hat, ist die Tatsache, das sie zum Entdecken und Experimentieren einlädt. Und dass sie Erinnerungen weckt...
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Spaziergang mit QR-Codes

Seit dem 8. Juni 2011 gibt es in Frankfurt am Main eine neue Art, die Stadt zu entdecken: Entlang der Wallanlagen wurden 23 Kunstwerke und Denkmäler mit Quick-Response-Codes beschildert.

Für Spaziergänger ohne Smartphone erschließt sich das Projekt kaum: Auf 15x20cm großen Edelstahltafeln finden sich der Name des Künstlers, der Titel des Kunstwerks, das Datum seiner Errichtung am Standort sowie der Link zur Homepage des Projekts.

Schild

Für Smartphone-User dagegen wurde ein echter Mehrwert geschaffen: Soweit sie einen QR-Code-Reader installiert haben (was kein Problem darstellt, da viele Geräte schon von Haus aus darüber verfügen bzw. man die Wahl zwischen mehreren kostenlosen Apps hat), können sie den Code einscannen. Auf ihrem Display erscheint daraufhin ein Link, der zur Beschreibung des Kunstwerks führt und gleichzeitig Aufschluss über das Projekt als Ganzes gibt.

Qrscannenanleitung
(http://www.kunst-im-oeffentlichen-raum-frankfurt.de/de/page15.html)

 Am Ende des Textes findet sich der Button „Weitere Objekte“, der zu einer Umgebungskarte führt. Diese ist leider noch recht ungenau und wurde von meinem iPhone 3G gar nicht erst geladen.

Das Projekt ist aus einer Kooperation des Kulturamts der Stadt Frankfurt am Main mit dem Institut für Neue Medien Frankfurt entstanden. Insgesamt soll es auf über 500 Objekte erweitert werden, die Rede ist vom „großen Outdoor-Museum Frankfurts“. Für die 23 Kunstwerke in den Wallanlagen ist eine einjährige Testphase geplant.

Daraus ergibt sich ein schöner Spaziergang durch einen grünen Teil Frankfurts, der auch Orte einschließt, die man selbst als Ortsansässiger sonst eher selten aufsucht:

Click here to download:
QR_Map_Wallanlagen.pdf (782 KB)
(download)
Wir sind gegen 18 Uhr gestartet, bis zum Einbruch der Dunkelheit haben wir es geschafft, 19 der 23 Stationen zu besuchen – ein Kunstwerk haben wir zwischendurch schlicht übersehen. Die QR-Codes ließen sich sowohl mit dem NeoReader auf dem iPhone 3G als auch mit i-nigma auf dem iPhone 4 recht gut scannen. Mein Kritikpunkt ist, dass die Schilder so niedrig und nicht immer gut sichtbar sind. Man muss sie oft suchen, und mein iPhone hatte mit dem Schattenwurf durch die Büsche und Bäume ringsum zu kämpfen – ich musste grundsätzlich vor den Schildern in die Hocke gehen und ein bisschen mit dem Winkel experimentieren, um die Codes abscannen zu können. Darüber hinaus befinden sich die Schilder auch an Stellen, wo es nicht zwingend erforderlich wäre, auf den Grünflächen, teilweise sogar hinter niedrigen Einfassungen. Das war für mich kein Problem, aber barrierefrei ist es nun wirklich nicht – das ist ein Aspekt, der meiner Meinung nach bei der Erweiterung des Projekts stärker bedacht werden sollte.

Wir haben den Rundgang am Willy-Brandt-Platz begonnen, mit dem Märchenbrunnen direkt hinter den Städtischen Bühnen:

01_marchenbrunnen
Wie man den Fotos ansieht, war das Wetter nicht ganz optimal, ich hatte eigentlich schon befürchtet, dass wir vor einem Gewitter flüchten müssten – aber wir hatten Glück. Für das Pilotprojekt die Wallanlagen auszuwählen, war in meinen Augen eine hervorragende Entscheidung – bei einer Erweiterung auf 500 Objekte wird es kaum mehr möglich sein, die „Outdoor-Ausstellung“ als Ganze zu besichtigen, aber der Spaziergang durch die Wallanlagen ist definitiv ein Vergnügen. Im Alltag wird es ja auch eher so aussehen, dass Passanten die Codes von ein, zwei oder drei Kunstwerken abscannen – eine schöne Bereicherung für die Mittagspause!

Für den gelegentlichen Lacher sorgten schon jetzt unsere geflügelten Mitbewohner – der eine oder andere QR-Code ließ sich nicht mehr auf Anhieb scannen, da er bereits „dekoriert“ worden war…

Was mich etwas verblüfft hat, waren die Quellenangaben am Ende der Texte. Im Regelfall war eine einzige Internetquelle aufgeführt, oft genug ein Wikipedia-Artikel. Online-Quellen zu verwenden ist im Rahmen des Projekts natürlich naheliegend und sinnvoll, aber der Grundsatz, immer mindestens (!) zwei Quellen zu befragen, sollte doch auch hier beachtet werden.

Hier noch die Fotos der Kunstwerke, die wir anschauen konnten:

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Neben der Homepage von „Kunst im öffentlichen Raum Frankfurt“, auf der die Entstehungsgeschichte des Projekts, einige Infos zu den einzelnen Objekten und ihren Standorten sowie Pressefotos und die Übersichtskarte zu finden sind, gibt es bereits einen Artikel von Sebastian Hartmann, der in seinem Blog auf einige Beispiele für die Nutzung der QR-Codes in deutschen Museen eingeht: http://museumsreif.posterous.com/das-museum-und-der-qr-code-beispiele-fur-mobi#comments.

Ich bin sehr gespannt, wie sich das Projekt weiterentwickelt und welche Richtung es nimmt. In jedem Fall werde ich es weiter verfolgen und ggf. über Neuigkeiten berichten. Und ich fände es sehr amüsant, wenn sich meine Vermutung bewahrheiten würde, dass mit „Kunst im öffentlichen Raum Frankfurt“ eine ganz neue Zielgruppe angesprochen wird – die Frankfurter Banker und Geschäftsleute, die eigentlich mehr in der Mittagspause ein bisschen mit ihren Smartphones spielen wollen… ;-)